Wenn sich ein Fassmacher und eine Winzerstochter auf einer Zugfahrt an den Balaton kennenlernen, verlieben, noch im selben Jahr heiraten und beschließen, gemeinsam ein Weingut aufzubauen, könnte man glauben, Bacchus habe Amor bestochen. Bei der Hochzeit 1978 im Hableány-Gebäude mitten in Badacsonytomaj, dem heutigen Hauptsitz des Laposa Weingutes, wurde dem Brautpaaar ein kleines Kelterhaus im Hinterland geschenkt. Dort nahm seinen Anfang, was inzwischen ein über Ungarns Grenzen hinaus bekanntes Unternehmen ist, dessen Weine als Botschafter des Landes gelten.
József Laposa, der Bräutigam, hatte ein Händchen dafür, sich gute Lagen in der Heimat seiner Frau zu sichern, Parzellen mit heute berühmten Namen. Diese Hänge bilden nach wie vor das Rückgrat des Weingutes, dessen Gesamtrebfläche mittlerweile auf 30 Hektar angewachsen ist. Angebaut werden vor allem Rebsorten, die hier zuhause sind. Dabei leistet sich Laposa den Luxus, zugunsten von Welschriesling, Rheinriesling, Grauburgunder, Kéknyelű, Furmint und Juhfark fast völlig auf rote Trauben zu verzichten.
Etwa 600.000 Flaschen werden pro Jahr befüllt, meist frische, junge Weine zum baldigen Genuss, aber auch lang gereifte, fassgelagerte Weine für den besonderen Anlass.
Das Paar aus dem Zug hat sich inzwischen zur Ruhe gesetzt. Die nächste Generation widmet sich nun auch der Gastronomie. 2019 wurden im ehemaligen Hochzeitsgebäude eine Weinbar, ein Verkaufsladen, ein Restaurant und eine Schau-Kellerei eröffnet.
Mit Blick auf die Gärtanks können Gäste während des Essens dabei zusehen, wie entsteht, was sie gerade verkosten. Das lässt den Wein gleich anders schmecken als zuhause am Küchentisch. Schnell wird einem klar, wie wichtig es den Weinmachern bei Laposa ist, hervorragende Essensbegleiter zu erzeugen, in denen Komplexität und Frische zusammenfinden. Die Weine sollen die Aromen der Rebsorte zeigen und dennoch leicht trinkbar bleiben; man soll das Terroir in ihnen erkennen können, ohne auf überbordende Fülle zu stoßen.
Wer diesen Genuss noch steigern möchte, kann das bei guter Kondition im vor kurzem renovierten Terrassenrestaurant, der Laposa Borterasz, am Südhang des Badacsony-Berges. Eine enorm steile, aber immerhin asphaltierte Straße windet sich hier hinauf. Glücklich, wer einen Chauffeur hat, der am Ziel nur Wasser trinken wird, um den ungarischen Promillevorschriften zu genügen. Hoch über dem See gelegen beschert einem das Restaurant auf zwei Etagen den vielleicht schönsten Panoramablick am ganzen Balaton.
Man sieht von Fonyód bis Keszthely, und selbst bei nicht so gutem Wetter bieten See und Wolken ein niemals langweiliges Schauspiel. Dazu kommt eine exzellente Küche, die wenige, aber ausgefeilte Gerichte bietet (mein Tipp: probieren Sie den „Daily Taste“) und – natürlich – die ganze Palette vorzüglicher Weißweine, denen Laposa das Renomée in der Höh‘ zu verdanken hat.