Im Tal des Kál

Káli Kövek

Nur wenige Kilometer vom Trubel des nördlichen Balatonufers entfernt liegt das Káli Becken, eine beinahe paradiesische Oase der Ruhe und nahezu unberührte Schatztruhe für Geologen, Biologen, Historiker, Künstler – und natürlich Weinliebhaber. Im Schutz erloschener Vulkane, von denen das Becken vollständig eingefasst wird, hat sich hier eine so reiche Tier- und Pflanzenwelt etabliert, dass die Gegend 1984 zum Naturschutzgebiet erklärt worden ist. Dazu kommt ein fast mediterranes Klima, das mit über 2000 Sonnenstunden pro Jahr Pflanzen wie Feigen oder Lavendel gedeihen lässt und die Menschen, die hier leben, zu Südländern macht.

Urkundlich belegt ist die landwirtschaftliche Nutzung seit dem 13. Jahrhundert, doch lauscht man den Geschichten, die Gyula Szabó, der Chef des Weinhauses Káli Kövek zu erzählen weiß, taucht man schnell in noch ältere Zeiten ein. „Kál“ sei nämlich ein legendärer Stammesführer gewesen, sagt Gyula, der sich im Zuge der ungarischen Landnahme im 9. Jahrhundert mit seinem Volk hier angesiedelt habe und zu Ehren dessen das Tal noch heute nach ihm benannt sei. Schon damals sei Wein angebaut worden, und wenn man weiß, dass eine bedeutende Römerstraße durch das Kálibecken führte, darf man von einer noch viel längeren Tradition der Rebenpflege ausgehen.

Den Mittelpunkt des Bassins bildet der Ort Köveskál, wo Gyula sein kleines, erst 2009 vom Großvater übernommenes Weingut betreibt. „Kö“ ist das ungarische Wort für „Stein“, und man trifft es in allen erdenklichen Kombinationen an.

Köveskál etwa bedeutet demnach „steiniger Kál“, aber es gibt auch ein steinernes Meer, Kötenger, den „Steinschneider“-Ort Kövágóörs, einen Blumenladen namens Kövirág (das dürfen Sie jetzt selbst übersetzen), eine Eisdiele, die sich mit „Kö Fagyi?“ zweideutig benannt hat und sogar eine Kötündér, eine Steinfee also, soll in der Nähe gesehen worden sein.


Magisch mutet denn auch an, wie Gyula Szabó in diesem steinigen Tal Reben zum Gedeihen bringt, die Weine von einzigartiger Eleganz, Zartheit und Mineralität ergeben. Ob Welschriesling, Furmint, Pinot Noir oder Blaufränkisch – immer spürt man die absolute Verfeinerung und Ausgereiztheit des Potentials.

Das Geheimnis, sagt Gyula, liegt im Zusammenspiel von Boden, Klima und Tradition, dem Terroir. Auf das Wetter hat er zwar keinen Einfluss, doch ist für reichlich Wärme gesorgt. Seine Meisterschaft als Winzer zeigt sich, wenn es darauf ankommt, die richtigen Lagen für die dazu passenden Rebsorten auszuwählen und Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt zu treffen. Dazu kommt Gyulas Philosophie, möglichst viele der im Weinberg und im Keller anfallenden Arbeiten nach althergebrachter Weise von Hand auszuführen – eine selbstauferlegte Erschwernis, die sich lohnt. Wichtig sei auch Lernbereitschaft, Respekt vor der Natur und die Identifikation mit dem Ganzen. „Eins zu werden mit dem, was man tut, so Szabó, ist eine vollkommene Erfahrung“. 

Seine Weine zu probieren auch.