Wer vom Balaton nach Süden fährt, immer geradeaus, bis Ungarn nicht mehr weitergeht, kommt in die berühmteste Rotwein-Region des Landes, nach Villány. Die Gegend rund um das gleichnamige Städtchen ist eine Anbauzone der Superlative: die meisten Sonnenstunden, die reinsten Kalksteinböden, Hänge an Ungarns südlichster Bergkette (von kalten Nordwinden geschützt) und die größte Zahl an biologisch und naturnah bewirtschafteten Anbauflächen. „Villány, natürlich!“ ist da ein naheliegendes Motto für die hier ansässigen Weingüter, Vylyan etwa.
Sie produzieren Rotweine der Spitzenklasse, die der Region den Beinamen „Bordeaux des Ostens“ eingebracht haben.
Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc finden hier die allerbesten Bedingungen. Zugleich geraten sie wärmer, reifer und zugänglicher als das französische Original.
Aber auch Syrah, der für Ungarn so typische Blaufränkisch (Kékfrankos) und autochtone Sorten wie Csóka ergeben Weine voller Frucht, ungewöhnlicher Aromen und großartiger Struktur, die immer trocken und fast immer im Holzfass ausgebaut werden.
Anfang der 1990er Jahre, Deutschland betete gerade die Super-Toskaner an, nutzte Pál Debreczeni die Aufbruchsstimmung in Ungarn. Im Wissen um das Potential des Villány-Gebietes gründete er sein Weingut und nannte es nach dem alten Namen der Region, Vylyan. Während die meisten seiner Kollegen es vorzogen, in einer geschlossenen Ortschaft zu leben, setzte Pál sich mitten in die Weinberge seines Fekete-Hegy, des schwarzen Berges, nahe dem Dorf Kisharsány.
Pál Debreczeni (†)
Mónika Debreczeni
Seit Páls frühem Tod 2004 verwaltet seine Frau Mónika das Gut. Als Kellermeister konnte Sándor Tóth gewonnen werden, der auch Weinproduzenten am Balaton mit genialer Expertise berät.
„Es war von Anfang an das Ziel“, sagt Sándor, „den bestmöglichen Wein zu erzeugen, der die Charakteristika der Region Villány widerspiegelt. Wir haben historisches Wissen und unsere Erfahrung an die Herausforderungen des modernen Weinbaus angepasst. Unsere 100 Hektar großen Parzellen sind nach Süden ausgerichtet und mit 7.000 Rebstöcken pro Hektar bepflanzt. Das erbringt nur einen moderaten Ertrag von ca. 40hl/ha, aber der hat es in sich.“
Jeder Wein wird individuell gestaltet – von der Lese bis zum Ausbau. In vier Produktlinien – „Klassik“, „Premium“, „Variationen“ und „Selektion“ bildet Vylyan das Potential seiner Weinberge ab. Alle Weine reifen mindestens ein Jahr in Barrique-Fässern aus ungarischer und französischer Eiche, manche dürfen danach noch ins große Lagerfass.
Doch mit dem Inhalt der Flasche ist es nicht getan. Auch das Etikett ist Teil der Arbeit. Bei Vylyan ist man überzeugt, dass Wein und Kunst zusammengehören. Folglich bat man sieben zeitgenössische ungarische Schriftsteller und Bildkünstler, sich von den Weinen der Premium-Linie inspirieren zu lassen und das Label zu gestalten. Jedes Etikett trägt seither die Seele des Weines in Form eines Gedichts und einer Zeichnung, so wie die Künstler sie empfunden haben.
Es war nicht einfach, sich bei so einer Auswahl auf Weniges zu beschränken. Für den Anfang fiel die Wahl auf vier Weine der Premium-Linie, die nicht nur mich in der Verkostung überzeugt haben, sondern inzwischen auch bekannte Weinexperten begeistern konnten und bei nationalen und internationalen Wettbewerben regelmäßig hervorragend bewertet wurden. Es sind konzentrierte und höchst elegante Tropfen, von denen Sándor Tóth sagt, sie seien „das Herzstück des Sortiments und die Essenz unserer Arbeit“.