Die Weißwein-Legende

Légli

In der Árpád-Straße in Balatonboglár, am Südufer des Sees, steht ein Gebäude, dass man beim flüchtigen Hinsehen für eine moderne Kirche halten könnte. Über einem kreuzförmigen Grundriss ragt es mehrschiffig auf, die Front aus Backstein, mit ovalen Fenstern unter dem Dach und einer breiten Treppe, die zur massiv-hölzernen Eingangstür führt, einer Tür, die eigentlich eine Pforte ist. Kein Wunder, denn obwohl es sich bloß um ein Wohnhaus handelt, residiert hier eine Art Papst. Otto Légli, vielfach prämierter Winzer, Träger des ungarischen Verdienstkreuzes, Juror in diversen Weingremien, international gefragter Gast bei Messen und lebende Weißwein-Legende (die seit einiger Zeit auch roten Trauben Großartiges entlockt).

Wie sein Bruder Áttila, ein weithin bekannter Keramiker, der von gewaltigen Weinamphoren bis zum fragilsten Kaffeeservice noch immer alles in Handarbeit herstellt, wuchs Ottó in einem intellektuellen, lebendigen, von ständigen Besuchen unterschiedlichster Leute geprägten Umfeld auf, das ihn vielseitig prägte und unter anderem dazu führte, dass er ganz passabel Deutsch spricht. Bei seiner Berufsausbildung jedoch ging er es bodenständig an und besuchte zunächst eine Gartenbauschule.

Zu dieser Zeit entdeckte er eine Begabung, die er von seiner Mutter geerbt hatte: ein ausgesprochen feines Näschen, das ihm gestattete, zarteste Duftnuancen zu unterscheiden. Er hätte Parfümeur werden können, doch er entschied sich, lieber Pfirsiche anzubauen, um in der Heimat bleiben und trotzdem Geld verdienen zu können.

Schon bald verkaufte er 1500 Kisten Obst pro Woche und konnte sich 1989 vom ersparten Geld seine erste eigene Weinbau-Parzelle leisten. 

Er pflanzte jedoch nicht die bekannten, ertragssicheren Sorten, sondern setzte auf lokale Reben, die den Charakter der Region widerspiegeln, aber Wackelkandidaten bei der Ernte sind, etwa Hárslevelü (die Lindenblättrige) oder Zenit. Von Anfang an war sein Ziel, authentische Weine zu erzeugen, die rein, frisch und dennoch fruchtig schmecken und ihre Säure bewahren sollten, um gut zum Essen zu passen.

Mit großer Selbstverständlichkeit spricht Légli vom täglichen Konsum, für den seine Weine sich eignen sollen, die südländische Tradition teilend, derzufolge jede Mahlzeit nach dem Frühstück von einem Glas Wein begleitet zu werden hat.

Nachdem sich sein Vater Anfang der neunziger Jahre zur Ruhe gesetzt hatte, begann Ottó junior, auch mit weltweit bekannten Rebsorten zu experimentieren, wie z.B. echtem Riesling oder Chardonnay. Später entstanden dann die ersten Rotweine aus Pinot Noir und Merlot, bald darauf gab es Rosé und seit kurzem reift in den Kellern sogar Schaumwein, der es mit Champagner aufnehmen kann!

Inzwischen ist Ottós Sohn Levente in einem Alter, in dem er, wie sein Vater sagt, immer klügere Fragen zum Thema Wein stellt. Die Wahrscheinlichkeit ist demnach hoch, dass der Name Légli auch in Zukunft für unverwechselbar klare, frische und höchst anspruchsvolle Weiß- und Rotweine stehen wird.

Hoffen – und erwarten – wir das Beste!

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