Seelese ist spezialisiert auf Weine aus der Balaton-Region in Ungarn. Wir arbeiten mit Weingütern von beiden Ufern des Sees und konzentrieren uns auf charaktervolle, trockene Weiß-, Rosé- und Rotweine aus regionaltypischen Rebsorten.
Diese Seite erklärt Herkunft, Stil und Besonderheiten der Balaton-Weine und gibt Einblick in die Region, aus der sie stammen.
Von Schopenhauer stammt der schöne Satz: „Das Neue ist zumeist nur eine unnütze Störung“. So recht er damit grundsätzlich hat, sollte man das Thema „Wein“ aus dieser Erkenntnis ausklammern, damit es einem nicht ergeht wie jenen seiner Landsleute, die hartnäckig die Vielfalt des weltweiten Weinangebotes ignorieren, weil sie mit Substanzen aus Bardolino, Lugana oder Custoza, die sie vor Jahrzehnten beim Ersturlaub an Norditaliens Badewanne kennengelernt hatten, immer gut gefahren sind, hauptsächlich über den Brenner. Zwar schmeckt das Zeug zumeist ein bisschen fad, überfordert aber genau deshalb weder die durch Industriefutterzufuhr abgestumpften Geschmacksnerven, noch verschlimmert es die chronische Gastritis, die man sich hart erschlemmt hat.
Das Gleiche gilt für Rotweine aus Italiens Süden: wer vor dem Ende seiner Geschmackspubertät, egal in welchem Alter, dem Primitivo oder Nero d’Avola anheimfällt, ist in der Regel für echten Weingenuss so lange verloren, bis der Onkel Doktor die Zuckerwässerchen verbietet und man sich schweren Herzens nach trockenen Alternativen umsehen muss.
Warum aber Ungarn? Zum einen aus Trotz. Ungarn ist wahrscheinlich das Land in Europa, das in deutschen Köpfen – nicht nur vom Wein umnebelten – am stärksten mit Vorurteilen behaftet ist. Für politisch linkslastig Informierte ist es ein Reich des Bösen, in dem sich „Diktator“ Viktor O. nur deshalb an der Macht halten kann, weil er die Mehrheit seiner Untertanen pausenlos besticht, weshalb sie ihn wieder und wieder wählt; das Volk ist vermutlich dumm, oder zumindest korrupt bis ins Paprikamark. Ein Stichwort, das jetzt auch die kulinarisch Irritierten auf den Plan ruft, die fest daran glauben, dass Ungarn außer Paprika, Pálinka und gesalzenem Fett in verschiedenen Formen küchentechnisch nichts zu bieten habe; gibt’s da überhaupt Wein?Selbstverständlich gibt es den – und das ist der pragmatische Grund. Ungarn ist mit seinen 22 Weinanbaugebieten und einer Rebfläche von nahezu 73.000 Hektar, aus der alljährlich 2,7 Millionen Hektoliter Wein hervorgehen, Europas siebtgrößter Weinerzeuger. Und es kommt schließlich nicht nur auf die Menge an. Fast kein Jahr vergeht, ohne dass renommierte ungarische Winzer internationale Preise gewinnen. Längst schielen Traditionsweingüter aus Italien oder Frankreich nach Ungarn und liebäugeln mit Ankäufen und Kooperationen. Tokaj, die Heimat der weltberühmten Süßweine, und Eger, von wo natürlich nicht nur das gefürchtete “Stierblut” stammt, stehen hoch im Kurs. Und warum vom Balaton? Ganz persönlich könnte ich jetzt sagen: weil er’s mir angetan hat. Dieser See ist ein wundervoller und bisweilen wunderlicher Ort sehr gegensätzlicher Attraktionen. Wie die meisten überdurchschnittlich stark frequentierten Urlaubsziele ist auch der Balaton wohlstands- und proletariatsghettoisiert. Die Wasserbarriere zwischen dem vornehmen Norden und dem von Massentourismus und seinen Begleiterscheinungen geprägten, in mehrfacher Hinsicht seichten Südufer ist im Durchschnitt etwa acht Kilometer breit und nur an zwei Stellen mit einer Fähre überquerbar. Der Süden ist das Ufer der Bettenburgen,Kampftrinkarenen und Imbißbuden und außerhalb der Saison an Trostlosigkeit schwer zu überbieten.
Ganz anders das fast verwunschen wirkende, an die Toskana erinnernde, hügelige und bewaldete Nordufer mit seiner eindrucksvollen Landschaft, in der sich bezaubernde Dörfer mit entzückenden, jahrhundertealten Häusern verstecken, wo Burgruinen auf erloschenen Vulkanen thronen, Kapellen zum Innehalten und sich Umschauen einladen, mehr oder weniger bekannte Naturwunder wie unterirdische Seen, Steinfelder, wackelnde Felsen oder geborstene Bergkegel beeindrucken und wo unzählige kleine und feinste Restaurants und Weinschänken nicht auf Gäste zu warten brauchen, sondern fast ganzjährig ausgebucht sind. Auf diesem riesigen Areal leben etwa 250 Vogel-, nahezu 800 Schmetterlings- und ungezählte Rentner-Arten ebenso wie der Großteil der Budapester Geldprominenz, die höchstens einen Hundespaziergang vom Ufer entfernt mindestens ein Wochenendhaus besitzt. Und hierher reisen jeden Sommer Heerscharen von Erholungssuchenden, darunter viele Familien mit kleinen Kindern, Wassersportliebhaber, Angler, Radfahrer, Wanderer, kulturell und geschichtlich Interessierte, Rustikal- und Verwöhnt-Logierer, Fastfood-Fans und Gourmets, Flirtwillige und Verheiratete, vor allem aber – Weinliebhaber. Seit über 2000 Jahren, als die Römerstraße von Vindobona (Wien) nach Aquincum (Budapest) am Nordufer des Balaton entlang führte, werden rund um den See Reben angebaut, die Weine von teilweise so hoher Qualität ergeben, dass sie sich nicht vor ihren berühmten mittel- und südeuropäischen Konkurrenten zu verstecken brauchen – und schon gar nicht vor den Nachbarn aus Österreich. Was am Neusiedler See gedeiht, soll ein paar Kilometer östlich nichts mehr taugen? Unsinn. Es ist das gleiche Land und Klima. Die diversen Grenzneuziehungen vergangener Jahrhunderte (wussten Sie beispielsweise, dass der größte Teil des Burgenlandes ursprünglich zu Ungarn gehörte?) haben die Reben nicht beeindruckt. Zwar gibt es große Rotweine rund um den Plattensee, doch ist die Region vor allem Weißweinland. Rebsorten wie die authochtone Irsai Olivér, eine Kreuzung aus Pozsonyi Fehér (Weißem Pressburger) mit Csaba Gyöngye (Csabas Perle), die Kéknyelű, eine sehr alte Rebsorte, die auf deutsch „Blaustengler“ heißt, der auch im nahen Burgenland und der Steiermark verbreitete Welschriesling (ungarisch: Olaszriszling), die ursprünglich im Gebiet von Tokaj heimische Furmint, die Hárslevelü (dt.: Lindenblättrige), der Juhfark (dt.: Lämmerschwanz), aber auch der weltweit angebaute Grauburgunder, der in Ungarn Szürkebarát (grauer Mönch) heißt, sind die wichtigsten weißen Sorten. Als rote Reben sind vor allem der Blaufränkisch (ungarisch: Kékfrankos) zu nennen, der in Württemberg auch Lemberger heißt, der Spätburgunder (ungarisch: Pinot Noir), sowie die Bordelaiser Klassiker Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot. All diesen Weinen gemeinsam ist, dass sie – irgendwie anders sind. Größtenteils mit wenig bis gar keiner Restsüße ausgebaut, weisen sie fast immer eine frische, lebendige, zugleich stets gut eingebettete Säure auf, erscheinen daher elegant und nie langweilig und sind selten schwer und alkoholreich. Mit dieser unaufdringlichen, sehr natürlichen Art geben sie hervorragende Essensbegleiter ab. Trotz des zunehmend wärmeren Klimas gelingt dabei vielen Winzern der Spagat, ihre Weine zugleich leicht und trocken, frisch und doch noch fruchtig genug auszubauen, um nicht leer zu wirken. Es ist ein Weinstil, den man in Deutschland immer seltener findet, obwohl die Nachfrage durchaus besteht. Doch die Weinliebhaber „alter Schule“ sind hierzulande auf dem Rückzug. Kräftige, süßliche, vor allem aber austauschbare Weine, die wenig über ihre Herkunft und Machart verraten, haben sich durchgesetzt und dominieren die Regale der großen Weingeschäfte und Supermärkte, denen es nur um maximalen Umsatz geht. Der etwas feinere Geschmack bleibt häufig auf der Strecke. Das soll sich jetzt ändern – zumindest für jene, die auf diese Website gestoßen sind und sich für Weine begeistern können, die noch „wie früher“ schmecken. Hier gibt es ausschließlich ungarische Weine, für den Anfang zusätzlich begrenzt auf ihre Herkunft vom Balaton. Und was ist mit den Texten? Der Name der Seite fasst schon zusammen, worum es hier gehen soll: den See, die Seele dieser Region, die Lese – aber auch das Lesen über Weine und die wunderschöne Gegend, aus der sie stammen. Wir möchten uns hier von herkömmlichen Online Weinläden auch dadurch unterscheiden, der Herkunftsregion der Weine, ihren Machern und dem ganzen Drumherum mehr Aufmerksamkeit zu schenken und uns dabei zunutze machen, dass Wein die Zunge löst und Wahrheit in sich trägt. Wir werden also schreiben, viel schreiben. Über das, was uns auffällt, was wir gerade erst entdeckt oder schon lange liebgewonnen haben, was mehr oder weniger beplaudernswert ist, aber auch, was uns stört. Sie werden hier Lobeshymnen über kleine Restaurants, Weinkeller, Imbissbuden, Sehenswürdigkeiten und vieles mehr lesen, aber sicher keine über mittelprächtige Weine. Nicht alles, was produziert wird, muss auch verkauft werden. Schon gar nicht von uns. Wir rühmen nur, wovon wir überzeugt sind und möchten dabei einem Weinstil treu bleiben, der ganz sicher nicht mainstreamfähig ist, aber unwahrscheinlich lecker. Willkommen bei Seelese.com. Ich wünsche Ihnen viel Spaß auf den folgenden Seiten, auf denen es einiges zu entdecken – und natürlich auch zu kaufen gibt. Ihr Achim Theil