Herbstliches Brauchtum am Balaton:

Ziegenfischen in Tihany

Ja, Sie haben richtig gelesen. Vom 17. bis 19. November werden in Tihany wieder Ziegen gefischt.

Es handelt sich dabei allerdings weder um einen Tippfehler bei der Tätigkeit, noch bei der Beute um horntragende Paarhufer, sondern um einen karpfenartigen Süßwasserfisch, den Sichling, in Anglerkreisen auch als „Ziege“ bekannt, oder lateinisch korrekt „Pelecus cultratus“. Seit 2002 wird dem eigenwillig geformten Seebewohner, den man auch in Donau, Wolga und dem Schwarzen Meer antrifft, allherbstlich organisiert aufgelauert, doch reicht die Tradition natürlich und wie immer viel weiter zurück. Der Balaton, bekanntlich ein Tümpel mit Fußbadtiefe, bietet seinen Bewohnern nicht allzu viel Deckung. Für einen Schwarmfisch wie den Sichling, der es liebt, in Scharen unter sich zu bleiben, keine kleine Herausforderung; Siofók liegt schließlich an Land. Nun will es der Zufall, dass sich in der Nähe der einzigen Halbinsel des Sees auch seine tiefste Stelle befindet, der „Tihanyer Brunnen“. Dort gerät der Sichling beim Gründeln schwer ins Schwärmen, fischdumm nicht bedenkend, dass er als wabernde Wolke gar prächtig zu erkennen ist, vor allem aus der Höh‘. Das ruft das Bergvolk der Ungarn auf den Plan, dem Fisch nicht leicht gegeben ist. Wenn bei der Basilika die Blätter von den Bäumen fallen, wird der „Bergwanderer“ gewählt, jener Erkorene, der die 120 Höhenmeter zum Sichlingssichtungspunkt erklimmen und Alarm geben wird, wenn der See sich dunkel färbt.

Ab morgen ist es wieder soweit. Dann wird drei Tage lang gefischt, gesegnet und gefeiert, bis die Ziegen alle sind. Wir empfehlen einen schön frischen Welschriesling dazu, z. B. diesen hier