Stone Sea at Szentbékkálla

Das Steinerne Meer

Lang ist’s her, dass Ungarn am Meer lag. Zuletzt von 1102 bis 1918, als Triest aufhörte, eine ungarische Hafenstadt zu sein. Geblieben ist die Sehnsucht der Ungarn nach der blauen Weite. Sie zeigt sich in der oft strapazierten Phrase vom Balaton als „ungarischem Meer“ und manch anderem, leicht hinkenden Vergleich überschaubarer Flächen mit einem Ozean.

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Csirkepaprikás

Das Huhn hat es nicht leicht. Seit man weiß, dass es sich um einen Nachfahren der Dinosaurier handelt, hat ihm sein dämliches Picken, Kopfschütteln, seitlich Schielen und Gackern viel Spott eingebracht. Zudem können Hühner in Ohnmacht fallen, sind Nichtschwimmer, neigen zu Panik, können dafür aber frisch geköpft noch ein paar Minuten im Garten herumflattern und die Kinder erschrecken. Nichts davon ist hilfreich, und die Behauptung erfahrener Hühnerzüchter, dem Federvieh seien geheimnisvolle Kräfte zuzuschreiben, macht es nicht besser, dürfte aber zumindest unter Füchsen und Mardern für einen heiteren Abend sorgen.

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Kesselgulasch ohne Kessel

Was tun an einem nasskalten 2. Advent, wenn man morgens bereits an der sehr frischen Luft war und nicht schon mittags mit der Jagertee-Verkostung auf dem Weihnachtsmarkt beginnen möchte? Man kocht ein Gulyás, und zwar eins, das auch in Ungarn so genannt würde – im Gegensatz zum Pörkölt, das wir in Deutschland Gulasch nennen. Wie von selbst vergeht so die Zeit, bis man den Rotwein anzünden und sich das zweite Kerzlein einflößen darf; als Rezept nehme ich meine Erinnerung, wie die ungarische Oma (1904 – 1976) es gemacht hat, ein besseres kenne ich nicht.

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Die Paprikantin

Auch wenn deutlich weniger Wege nach Budapest führen als nach Rom, gibt es bei tiefergehendem Interesse an Ungarn und Ungarn durchaus Alternativen zum ausgetretenen Pfad am Klischeebächlein entlang. Und falls man sich bereits dorthin verirrt hat, ist es nie zu spät, beim zweiten Vorurteil rechts abzubiegen, um Folklorefirlefanz, Operettenödnis und Kulinarik-Kokolores hinter sich zu lassen.

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Ziegenfischen in Tihany

Ja, Sie haben richtig gelesen. Vom 17. bis 19. November werden in Tihany wieder Ziegen gefischt. Es handelt sich dabei allerdings weder um einen Tippfehler bei der Tätigkeit, noch bei der Beute um horntragende Paarhufer, sondern um einen karpfenartigen Süßwasserfisch, den Sichling, in Anglerkreisen auch als „Ziege“ bekannt, oder lateinisch korrekt „Pelecus cultratus“.

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Sándor Márai – November

Junge Menschen träumen; über die Jahreszeiten wissen sie allenfalls Ungefähres. Für sie ändert sich bloß die Szenerie, die Szenerie dieses strahlenden Spiels ihres Lebens. In ihren Augen ist das Jahr ein Theaterstück mit vier Akten. Erst wenn sich das Gefühl, jung zu sein, verliert, werden wir für äußerliche Veränderungen empfindsam: Im November gilt das nicht nur für unsere Haut, sondern auch für unsere Seele. Es geschieht etwas beunruhigendes.

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